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„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, welches gelöst werden will.“

Galileo Galilei

 

Was genau bedeutet eigentlich Nachhaltigkeit und wieso wird sie so vehement gefordert?

Kaum ein Thema wird in der Öffentlichkeit so breit diskutiert wie das Thema der Nachhaltigkeit. Auf allen gesellschaftlichen Ebenen wird Sinn und Zweck sowohl in Frage gestellt als auch gefordert. Vor allem Politiker fordern nachhaltiges Handeln, um Wohlstand und Lebensqualität für die Bevölkerung zu ermöglichen. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff der Nachhaltigkeit? 

Der Begriff kann sowohl als zeitlich (als anderes Wort für längerfristig oder zeitlich überdauernd), ökologisch (bezogen auf die Umwelt und Ressourcenschonung) als auch ethisch (in Bezug auf ein verantwortungsvolles, gerechtes und faires Handeln) verwendet werden. 

 

Laut einer Analyse von Jörg Tremmel (2003), in welcher er eine repräsentative Anzahl von Nachhaltigkeitsdefinitionen verschiedener Institutionen und Wissenschaftlicher analysierte, besteht Nachhaltigkeit aus drei Säulen:
1. Ökologie              2. Ökonomie             3. Soziales

Diese drei Dimensionen müssen als integrierendes Dreieck mit komplexen Wechselwirkungen wahrgenommen werden. 
Hinsichtlich der ökologischen Komponente sollte die Bevölkerung über natürliche Grundlagen verfügen können. Dies kann allerdings nur geschehen, sofern die Eigenschaften der natürlichen Ökosysteme erhalten bleiben. Dies bezieht sich bspw. auf den Abbau und Verbrauch von Ressourcen, auf Stoffeinträge in unserer natürlichen Umwelt sowie auf den Erhalt der biologischen Vielfalt. Die soziale Komponente zielt auf eine gerechte Verteilung sozialer Grundgüter sowie die Weitergabe an zukünftige Generationen ab. Als Beispiele können hier das Leben selbst, die Gesundheit, die Grundversorgung, die Bekämpfung der Armut, die Chance auf Bildung, Toleranz, Gerechtigkeit und sozialer Frieden genannt werden. 
Die dritte Dimension, der ökonomische Bestandteil, steht für die Förderung von Wohlstand und Lebensqualität und darüber hinaus als Grundlage für Arbeitsplätze und Einkommen. Dieser bestimmt die Energie- und Materialressourcen und beeinflusst damit auch die ökologische sowie soziale Komponente. 

Diese drei Dimensionen beeinflussen sich wechselseitig und sollten nie getrennt voneinander betrachtet werden! 

 

Das integrierende Nachhaltigkeitsdreieck kann helfen, Nachhaltigkeit zu definieren und die Beweggründe nachhaltiger Entwicklungen zu verstehen. Wir leben innerhalb einer Ökosphäre, in welcher die Menschen selbst Kulturen mit spezifischen Formen der Ökonomie erschaffen.

Weshalb wird nun Nachhaltigkeit als anstrebendes Ziel gefordert?

Innerhalb der letzten Jahre erlebte die Erde ein starkes Bevölkerungswachstum. Während 1950 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt lebten, verdreifachte sich die Anzahl 2017 auf 7,5 Milliarden. Laut einer Prognose werden 2050 9,8 Milliarden Menschen die Erde bevölkern!

Daraus resultiert eine Zunahme der Siedlungsdichte und damit einhergehend eine Veränderung der Wirtschaftsformen. Globale Stoffkreisläufe werden verändert (Stichwort Klimawandel), sodass es bpsw. zu Hitzeperioden kommt. Durch diese gibt es weniger Ernteerträge, der Meeresspiegel steigt an. Dies hat vor allem Folgen für unsere Biodiversität, welche teilweise größer als der ökologische Fußabdruck ist, da viele Länder ein ökologisches Defizit aufweisen. 
Gemäß Johan Rockström sind vier Druckkräfte zugegen, welche Strategien zur nachhaltigen Entwicklung unausweichlich machen:

1. Die rasch wachsende Bevölkerung und der menschliche Drang nach Wohlstand
2. Der Klimawandel
3. Die Belastung der Biosphäre
4. Das Überraschungsmoment der natürlichen Ökosysteme

 

Um dem entgegenzuwirken, bedarf es einer Strategie zur nachhaltigen Entwicklung. Zu unterscheiden gilt es zwischen der Effizienz-, Konsistenz- sowie Suffizienzstrategie.

 

1. Effizienzstrategie
Die Effizienzstrategie zielt darauf ab, das Verhältnis von In- und Output zu verbessern und ist daher ökonomisch geprägt. Es sollen Maßnahmen mit den geringsten volkswirtschaftlichen Kosten ergriffen werden. Dies kann bspw. durch die Einsparung von Materialkosten und Arbeitskosten geschehen. Im Vergleich dazu priorisiert die ökologische Strategie den Erhalt natürlicher Ressourcen durch eine nachhaltige Nutzung, bspw. durch Energieeinsparung. 
Die Rate der Effizienzsteigerung muss hierbei mindestens so hoch wie das wirtschaftliche Wachstum sein. Gleichermaßen tritt hier jedoch ein Rebound-Effekt ein: durch effizientere Nutzung von Ressourcen erfolgt leider nur selten eine Entlastung der Umwelt, da die Konsumspirale eher beschleunigt wird. Eine effizientere Nutzung führt hernach zu niedrigeren Preisen und dahingehend zu einem vermehrten Konsumverhalten. 

2. Konsistenzstrategie
Die grundlegende Überlegung der Konsistenzstrategie ist es, die Herstellung von Gütern und die Gewinnung von Energie so umzustellen, dass Natur und Umwelt weniger belastet werden. Dies kann durch Recycling (wiederverwertender Kreislauf), die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, regenerative Energien sowie durch den biologischen Landbau begünstigt werden. Das Ziel: die von Menschen gemachten Stoff- und Energieströme mit den natürlichen Strömen zu vereinen. Es sollen intelligente Wirtschaftssysteme entstehen, die bspw. ohne Abfälle auskommen. Allerdings gibt es auch negative (Umwelt-) Auswirkungen regenerativer Energieanlagen: die Flächeninanspruchnahme (z.B. von Windkraftanalagen, Photovoltaik), der Verbrauch seltener metallischer Rohstoffe, die Gefährdung von Mensch und Umwelt durch den Abbau benötigter Rohstoffe sowie schlechte Arbeitsbedingungen. Oft sind die Maßnahmen daher weder konsistent noch nachhaltig. Wichtig ist immer das Wie der Produktion sowie das Wie der Nutzung. 

3. Suffizienzstrategie
Die Suffizienzstrategie unterliegt verschiedener Definitionen. Eine Gemeinsamkeit ist jedoch die Priorisierung absoluter Reduktion des Ressourcenverbrauchs und Emissionen. Dies setzt also direkt beim Verhalten der Konsumenten an und verändert daher Konsummuster und Lebensziele. Nach W. Sachs kann der Wandel in die vier „E“s unterteilt werden:

I. Entschleunigung (bspw. Slow Food)
II. Entflechtung (Relokalisierung von Arbeits- und Produktionsvorgängen)
III. Entkommerzialisierung (vermehrte Freiwilligenarbeit)
IV. Entrümpelung (Besinnung auf das Notwendige)

 

 

 Komplexität und Kontroversität 

 

Die Bewertung nachhaltigen Handelns ist, wie wir festgestellt haben, situations- und kontextabhängig und innerhalb dessen komplex und kontrovers. Wechselwirkungen, Vernetzungen, Zusammenhänge und Einflussgrößen können zumeist in ihrer vollen Größe kaum wahrgenommen werden, da die lokale Handlung meist eine globale Dimension erreicht. 

 

Grundsätzlich kann man daher nur Handlungsempfehlungen aussprechen und versuchen, systemisch zu denken, das Ganze zu betrachten und nicht nur die Summe seiner Teile (Stichwort: Emergenz). Durch mehrseitige und rückgekoppelte Wechselwirkungen entsteht häufig eine faktische Komplexität, welche durch fachliche Kontroversen verstärkt wird. Auch die ethischen Untersicherheiten und individuelle sowie gesellschaftliche Wertvorstellungen dürfen nicht außer Acht gelassen werden, da es unterschiedliche Auffassungen über „gutes“ und „richtiges“ Handeln gibt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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