Die Grundprinzipien der Sozialversicherung

„Ich bin nicht versichert, nur verunsichert.“
(Friedrich Witte, *1936)

 

Was versteht man eigentlich unter den Grundprinzipien der Sozialversicherung? 
 
Verankert ist die Sozialgesetzgebung im Grundgesetz in Art. 20 GG. Eingeführt wurde diese im Kaiserreich von Reichskanzler Bismarck, durch welchen die sozialpolitische Entwicklung in Gang gesetzt wurde. Er war es, der die gesetzliche Krankenversicherung (1883), die gesetzliche Unfallversicherung (1884) sowie die gesetzliche Invaliden- und Altersversicherung (1889) innerhalb einer Gesetzgebung verabschiedete. Dies bezog sich allerdings zunächst nur auf Arbeiter(-innen) sowie niedrig bezahlte Angestellte. Erst nach und nach wurde der Kreis erweitert – 1911 wurden dann schließlich auch höher Angestellte sozialversicherungsrechtlich abgesichert.  
 
Seit den 1990er- Jahren und dem Übergang zum 21. Jahrhundert wurden die Grundlagen der Sozialpolitik erneut überarbeitet und reguliert.  
Die Aufgabe der Sozialversicherung ist es nun, den Lebensstandard sowie die Stellung im Rahmen der Gesellschaft des Versicherten in existenziellen Risikosituationen zu erhalten. Die sozialen Risiken müssen hier von der Gemeinschaft abgedeckt werden.  
Einhergehend unterliegt die Sozialversicherung einiger Grundprinzipien: 
 
a. Prinzip der Versicherung  
b. Prinzip der Vielfalt der Versicherungsträger u. – zweige 
c. Prinzip der Verknüpfung von staatlicher Rahmengesetzgebung u. sozialer Selbstverwaltung 
 
Diese Prinzipien sagen aus, dass die Versicherten Beiträge einzahlen und daher einen Anspruch auf Leistungen erhalten. Die Beitragssätze werden gesetzlich festgelegt. Hierbei gibt es jedoch keine einheitliche Versicherung, sondern eine Anzahl verschiedener Sozialversicherungen. Dabei setzt der Staat den Rahmen, innerhalb welcher die Selbstverwaltung gilt. Besondere Regelungen gelten jedoch in der Landwirtschaft. 

 

Innerhalb dieser existieren noch drei Wirkprinzipien, welche mit den Grundprinzipien einhergehen. 

a. Prinzip der Solidarität
Die Sozialversicherung unterliegt einem solidarischen Ansatz. Das bedeutet, dass die sozialen Risiken von der Gemeinschaft getragen werden und damit einhergehend ein Ausgleich zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichtenä (auch zwischen Kranken und Gesunden, Jung und Alt, Familien und Alleinstehende) geschaffen wird. Als Kriterium gilt hier das Arbeitseinkommen – d.h., je mehr ein Bürger verdient, desto höhere Beiträge muss er einzahlen. Dies gilt sowohl in der Kranken- als auch in der Rentenversicherung. Somit kann sichergestellt werden, dass jede Person im Notfall versorgt werden kann – unabhängig vom Einkommen.  

b. Prinzip der Subsidiarität  
Das Prinzip der Subsidiarität bezweckt die Eigenverantwortung des Einzelnen. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber sind an der Selbstverwaltung beteiligt, da der Staat nicht jede soziale Sicherung tragen kann. Beispielhaft anzuführen wäre hier die Streichung der Erstattungsfähigkeit von Bagatellarzneimitteln – es wurden Überforderungs- und Härtefallregelungen mit einer Belastungsgrenze von Zuzahlungen (2% des jährlichen Bruttoeinkommens, 1% bei chronisch Kranken) eingeführt.  
 
c. Prinzip der Äquivalenz 
Das Prinzip der Äquivalenz gilt nur für die Rentenversicherung sowie für die private Krankenversicherung. Sie beinhaltet „das Verhältnis zwischen der Höhe der gezahlten Beiträge und den Leistungen, die ein Versicherter erhält“.1 Einfacher ausgedrückt bedeutet dies: der Beitrag steigt an, sofern das Risiko sich erhöht. Dieses Prinzip ist als Gegensatz zum Solidaritätsprinzip anzusehen.  
 

Welcher Personenkreis ist denn von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgenommen und kann sich privat krankenversichern? 

Es gibt fünf Zweige der gesetzlichen Sozialversicherung: 
 
a. Krankenversicherung 
b. Pflegeversicherung 
c. Rentenversicherung 
d. Arbeitslosenversicherung 
e. Unfallversicherung 
 
In Deutschland unterscheidet man zwischen zwei Arten der Krankenversicherung: 
– die GKV (die gesetzliche Krankenversicherung) sowie 
– die PKV (die private Krankenversicherung). 
 
Derzeit sind 13% privat krankenversichert, während der Großteil mit 87% gesetzlich versichert ist.  
Die gesetzliche Krankenversicherung ist im SGB V geregelt und durch fünf Prinzipien gekennzeichnet: 
 
a. Sachleistungen – im Falle eines Krankheitsfalles werden dem Bürger Sachleistungen in Form von Naturalien zur Verfügung gestellt. Hierbei kommt es zu Verträgen zwischen den Krankenkassen und den Leistungsträgern – diese verpflichten sich, den Bürger im Versicherungsfall auf Kosten der Krankenkasse zu behandeln. 
 
b. Kostenerstattung – sofern die Behandlungs- oder Arzneimittelkosten zunächst vom Bürger selbst getragen werden, kann hier ein Antrag auf Erstattung an die Krankenkasse gestellt werden. Dieses Prinzip kommt mittlerweile allerdings nur beim Zahnersatz der GKV zutragen sowie bei der privaten Krankenversicherung.
 
c. Solidaritätsprinzip – die Beiträge, die entrichtet werden, richten sich nach der Höhe des Einkommens und werden daher mit einem Prozentsatz des Arbeitsentgeltes festgelegt. Hierdurch gibt es die beitragsfreie Familienversicherung für Kinder und Ehepartner.  
 
d. Selbstverwaltung – Innerhalb der gesetzlichen Krankenkasse ist das Selbstverwaltungsorgan der Verwaltungsrat, bei welchen sich ehrenamtliche Vertreter zusammenfinden (diese werden alle 6 Jahre von Arbeitgebern und Versicherten gewählt).  
Diese kontrollieren den Vorstand und beschließen das Satzungsrecht. Seit 2015 setzen sich die Beiträge der GKV aus einem festen Bestandteil von 14,6% zusammen, welche vom Arbeitgeber und -nehmer jeweils zur Hälfte bezahlt werden (zzgl. Zusatzbeitrag, welcher allein vom Arbeitnehmer gezahlt wird). Zu beachten ist hier die Beitragsbemessungsgrenze. Bei Erreichen dieser Grenze bleiben die Beiträge der jeweiligen Versicherung konstant, d.h. die Einkünfte, die darüber hinaus gehen, bleiben sozialversicherungsfrei.   

e. Freie Kassenwahl 
-Gemäß § 5 Abs. 1 SGB V gibt es eine Versicherungspflicht für abhängig Beschäftigte unterhalb einer gewissen Einkommensgrenze, Bezieher von Erwerbsersatzeinkünften (bspw. Rente, Krankengeld, Arbeitslosengeld I und II), Studenten sowie bestimmte Familienangehörige von Pflichtversicherten (Familienversicherung). Selbstständige, Bezieher von Einkünften über der Jahresarbeitsentgeltgrenze sowie Personen nach dem Ende der Versicherungspflicht (bspw. geschiedene Ehepartner oder Arbeitslose ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld) können sich freiwillig gesetzlich versichern. 

Hinsichtlich der Wahl der Krankenkasse steht den Bürgern die freie Entscheidung zu!


Weitere Artikel

Führungsstile

„Es gibt keine schlechten Mannschaften, Marschall. Es gibt nur schlechte Offiziere.“ (Napoleon I. Bonaparte )  UnternehmensführungJedes Unternehmen wird von mindestens einer Person geleitet - in der Regel handelt es sich hierbei um den Geschäftsführer.  Bei...

Grundpfeiler der Kommunikation

„Kommunikation ist viel mehr als zwei klappernde Gebisse.“ (Frank Dommenz (*1961))  Kommunikation ist ein Instrument zur Koordination und zählt zu einem der zentralen Grundbedürfnissen des Menschen. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort communicare ab, welches...

Die Komplexität der Erinnerungen

„Alle großen Leute waren einmal Kinder, doch nur wenige erinnern sich daran“ (Saint-Exupéry aus „Der kleine Prinz")  Sich besinnen. Gedenken. Ins Gedächtnis rufen. Zurückblicken. All dies sind Synonyme für das Schlagwort Erinnern. Menschen erinnern sich an große...

Führungsstile

„Es gibt keine schlechten Mannschaften, Marschall. Es gibt nur schlechte Offiziere.“
(Napoleon I. Bonaparte )

 

Unternehmensführung
Jedes Unternehmen wird von mindestens einer Person geleitet – in der Regel handelt es sich hierbei um den Geschäftsführer.  
Bei erfolgreicher Expansion entwickeln sich weitere Hierarchie- und Führungsebenen, die weitere Führungspersönlichkeiten unentbehrlich machen.  
 
Doch was genau bedeutet eigentlich Führung und welche verschiedenen Führungsstile gibt es?

Führung bedeutet vor allem, Mitarbeiter bzw. ihr Handeln gewollt dahingehend zu beeinflussen, dass diese ein angestrebtes Ziel erreichen. Es handelt sich hierbei um eine bewusste Tätigkeit, um bspw. Strategien, Entscheidungen und Ziele durchzusetzen. Führung ist notwendig, da die Unternehmensziele nur gemeinsam erreicht werden können.  
Es findet ein kommunikativer Prozess statt, welcher sich hinsichtlich verschiedener Führungsmodelle unterscheidet. 

 

“Du musst jeden Tag entscheiden, wer den Preis für Deine Führung zahlt: Du oder Deine Leute”
-Kevin Leman

 

Zu differenzieren gilt es zwischen dem Management by Direction and Control (MbC), Management by Delegation (MbD), Management by Objectives (MbO), Management by Systems (MbS), Management by Exception (MbE) sowie Management by Motivation (MbM). Bei diesen Konzeptionen handelt es sich um Modelle, welche sich auf das ganze Unternehmen beziehen und sich teilweise schwer voneinander abgrenzen lassen. 

Zum besseren Verständnis folgt eine kurze Beschreibung der einzelnen Konzeptionen:

1. MbC: Die Führungskraft führt hier vor allem durch Autorität, Regeln und Kontrolle. Eigeninitiative und Engagement wird behindert und eingeschränkt.

2. MbD: Führung erfolgt durch die Übertragung von Aufgaben an verschiedene Mitarbeiter (Delegation). Somit kommt dem Mitarbeiter eine hohe Eigenverantwortung und Entscheidungsbefugnis zu. Bekannt ist diesbezüglich das Harzburger Modell, welches von R. Höhn in Bad Harzburg an der Akademie für Führungskräfte entwickelt wurde. In diesem hierarchisch gegliederten Modell müssen die Mitarbeiter die Verantwortungen, die von der jeweiligen Führungskraft an sie übertragen werden, gewissenhaft und gerne übernehmen, damit Führung hier gelingen kann. 

3. MbO: Innerhalb dieses Konzeptes werden Zielvereinbarungen oder Planvorgaben getroffen, welche der Mitarbeiter innerhalb eines bestimmten Zeitraumes und im Sinne des SMART-Prinzips einhalten muss. 

4. MbS: Innerhalb einer Systemsteuerung werden hier Abläufe organisiert und verwaltet, sodass Führung in Regelkreisen fest verankert wird. 

5. MbE: In einem gewissen Rahmen können die Mitarbeiter innerhalb des Management by Exception eigenverantwortlich handeln, sodass die Führungskräfte nur bei Problemen eingreifen sollen („Prinzip der Regel Ausnahme“). Negativ zu erachten ist allerdings, dass die Mitarbeiter häufig an Demotivation leiden, da eine unterstützende und begleitende Führungskraft vollständig fehlt. 

6. MbM: Führung gelingt hier durch die Steuerung der Motivation jedes Einzelnen, da dieses Konzept der Theorie zugrunde liegt, dass „materielle Wertschätzung“ nur temporär zu einer Steigerung der Arbeitsleistung der Mitarbeiter führt – vielmehr ist es hier von Bedeutung, jeden Mitarbeiter individuell mit Hilfe methodischer und systematischer Anreize zu motivieren. 

 


Jedes dieser Modelle hat sowohl Vor- als auch Nachteile. 
 
Wichtig ist hierbei zu erklären, dass es keine sogenannte “ideale Führungspersönlichkeit” gibt! Dies kann lediglich als subjektive Beschreibung dienen, jedoch niemals auf jedweden Mitarbeiter angewendet werden. 

Falls Sie Interesse an einer Zusammensetzung wichtiger Qualitäten einer Führungspersönlichkeit haben, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail oder kontaktieren Sie uns telefonisch. Wir würden uns freuen, Ihnen weiterzuhelfen. 

Weitere Artikel

Führungsstile

„Es gibt keine schlechten Mannschaften, Marschall. Es gibt nur schlechte Offiziere.“ (Napoleon I. Bonaparte )  UnternehmensführungJedes Unternehmen wird von mindestens einer Person geleitet - in der Regel handelt es sich hierbei um den Geschäftsführer.  Bei...

Grundpfeiler der Kommunikation

„Kommunikation ist viel mehr als zwei klappernde Gebisse.“ (Frank Dommenz (*1961))  Kommunikation ist ein Instrument zur Koordination und zählt zu einem der zentralen Grundbedürfnissen des Menschen. Der Begriff stammt vom lateinischen Wort communicare ab, welches...

Die Komplexität der Erinnerungen

„Alle großen Leute waren einmal Kinder, doch nur wenige erinnern sich daran“ (Saint-Exupéry aus „Der kleine Prinz")  Sich besinnen. Gedenken. Ins Gedächtnis rufen. Zurückblicken. All dies sind Synonyme für das Schlagwort Erinnern. Menschen erinnern sich an große...